Josha Schneelicht – Weiß

 


Rouvens Kämpfe sind nicht vorbei. Er ist König von Hardland und Hüter der Magiegesegneten – und steht damit zwischen Vernunft und heißem Wahn. Ein vernichtender Verrat drängt seine Seele an den Rand der Finsternis.

Kaaleb trauert um Lissa, seine Frau. Er fasst einen riskanten Plan, um seinen Feind, Simion Schwarzfeuer, unschädlich zu machen – und begeht damit einen verhängnisvollen Fehler.

Josha Schneelicht hadert mit seiner Bestimmung als Schneegeborener. Denn selbst nach fünf Wintern ist er noch immer kein Greifreiter. Die Liebe zu seiner Familie lässt ihn diese Schmach ertragen. Aber als er vom Greifen gerufen wird, muss er diese verlassen, denn der Schneegeborene gehört einzig dem Ersten aller Greifen.

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Informationen zum Buch:

  • Taschenbuch: 866 Seiten
  • Verlag: Gilgamesch-Verlag, Ohlsbach
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3-9818841-2-8
  • Preis: 24,90 Euro
  • Kontakt: DieGesegneten@gmx.de

 

Leseprobe:

Graumond, Nebelmond – Sternbild: der Parronwolf

Das Feld der Wahl.

Vor mir eine junge Greifin. Ich wagte es kaum, sie anzusehen. Mein Herz klopfte wild, mein Atem kam stoßweise. Sollte es endlich soweit sein? Nach fünf Wintern, die einzig Demütigung waren?

Die hellgraue Greifin sprang. Entfaltete ihre Flügel, die ein Schauer von verblassenden, bald weißen Federn waren. Sie prüfte mich. Mir wurde das Haar aus dem Gesicht geblasen. Wirbelnd und lautlos lösten sich einige Schneeflocken aus ihrer noch kurzen, bürstigen Mähne und trudelten an meinem Gesicht vorbei. Dann kam sie näher. Der Schatten ihrer Gestalt wurde größer, der frische Schnee knirschte unter ihren Pfoten, ich konnte sie atmen hören. Mein Atem war rasselnd, ich ging nieder auf ein Knie. Gleich. Gleich würde die Greifin ihre Pranke vor mich in den Schnee drücken, damit ich meine Hand daneben legen konnte. Und wir ein Bündnis schlossen, das zunächst dünn und empfindlich war und zart war wie die Haut eines Neugeborenen. Ich zog meinen Handschuh aus, beugte mich hinab und spürte schon die Kälte des Schnees …

Harscher Flügelschlag fuhr auf uns nieder. Schnee wirbelte und traf mich hart in den Nacken. Widerwillig wich die schöne Greifin zurück. Kreischte und schlug ihrerseits mit den Schwingen. Hackte mit dem Schnabel nach dem alten Greifen, der sich kreischend zwischen uns drängte. Das Stoßeis an seinem Schwanzende furchte den Schnee, mächtige Pranken ließen das ganze Feld der Wahl erzittern. Vage nahm ich wahr, dass alle anderen Greifen sich eiligst zurückzogen.

Auch die schöne, graue Greifin.

Gryyphiorr, der Stammvater der Greifen, starrte mich zornig an. Ich begriff, dass nicht das Feld der Wahl zitterte, sondern dass ich es war, der bebte.

Sei es vor Wut. Sei es vor Enttäuschung. Sei es, weil Gryyphiorrs Auftauchen hieß, dass ich wieder nicht erwählt werden würde.

Gescheitert.

Wie in den vergangenen fünf Wintern.

Josha Schneelicht, der zukünftige Erbe des Hauses Haar, zu dem mich Gryyphiorr ausersehen hatte.

Der Schneegeborene.

Ich war wieder gescheitert.

Mühsam schöpfte ich Atem und erhob mich. Wankte. Zog mir den Handschuh erst gar nicht über die unnütz ausgestreckte Hand. Fühlte nichts und alles. Ein schwer schlagendes Herz, einen verkrampften Magen, meine Füße waren taub. Trotzdem folgte ich Gryyphiorr mit gesenktem Kopf und würde ihn das tun lassen müssen, was er jedes Jahr tat. Sein Eis unter meine Haut senden. Schmerzhaft, kristallen, von heißkalter Genugtuung. Seit er bei Windweiden kreischend niedergefahren war und mich als Auserkorenen gekennzeichnet hatte, war dies der Gipfel meines Scheiterns. Sein Eis unter meiner Haut.

Wie oft ich den Tag bei Windweiden schon verflucht hatte, war zahlreicher als die zotteligen Haare einer Schneekuh.

 Gryyphiorr war ein Schinder, ein hinterhältiger Bastard, der unnachgiebige Anführer der Greifen.

Er schuf eine neue Generation und hatte sich selbst wieder in die Ahnenreihe der Greifen eingebracht. Seit seinem Auftauchen auf der Schneekrone war er rigoros gegen jeden männlichen Greifen vorgegangen. Er war es, der die weiblichen Greifen begattete. Er sorgte für eine nie da gewesene Generation von Greifen. Direkte Abkömmlinge des Göttlichen, der er war.

Die graue Greifin war eine seiner Töchter, dessen war ich mir absolut sicher.

Jetzt neigte ich den Kopf, zog mir Mantel, Wams und Hemd aus, warf die Handschuhe in den Schnee. Kniete mich nieder. Schauderte, als ich seinem Atem auf meiner bloßen Haut spürte. Und dann war da nur noch Eis.

Danach schickte er mich weg wie einen unartigen, kleinen Jungen.

 

Ich schnaubte und hatte Mühe, die allgemeine Enttäuschung und gleichzeitige Häme um mich herum zu ignorieren. Den schmachvollen Weg zurück nach Greiff hatte ich bewusst in die Länge gezogen. Wieder war mir und den Pferdeknechten die schändliche Aufgabe zugefallen, die Pferde der neu erwählten Greifreiter zurückzubringen.

Nach Greiff.

 Die Stadt Greiff war seit jeher der Sitz des Hohen Hauses Haar. Den Hütern und Wächtern über die unglaublichsten Wesen, die je unter der Sonne Hardlands gelebt haben: die Schneegreife.

Greiff, die Stadt der unzähligen Türme. Greiff, die Stadt aus erdigem, braunem Gestein. Je weiter den Hügel hinauf die Häuser sich drängten, wechselte das Braun in grauen Schiefer. Und oben, wie ein behäbiger Riese, die Burg derer vom Hause Haar. Weiß und schillernd. Wie Hardfartur aus dem leuchtenden Eisstein gebaut. Eine Huldigung an das Weiß der Greifen.

Dort ragte der höchste der Türme in den azurblauen Himmel: der Krallenturm.

Die Farbfolge, das Braun, das Grau und schließlich das unverdorbene Weiß waren eine Ehrerbietung an die Greifen, deren Fellfärbung sich mit dem Alter aufhellte und, wenn der Greif voll entwickelt war, in hellstes Weiß wechselte. Dann war der Greif erwachsen und die Einigkeit mit seinem Reiter vollkommen. Siljan hatte mir erzählt, dass früher, vor der Zeit des Rouven des Eiskalten, Rouven Hardlichts verfluchtem Vater, nahezu in jeder Familie ein Greifreiter zu finden gewesen war. Deshalb die vielen Türme, jeder der Greifreiter hatte für seinen Greif und sein Haus einen eigenen Turm.

Einzig die Schneekrone auf Hardfartur war ein Turm außerhalb von Haar.

Im Abendlicht des sterbenden Tages lag Greiff im Nebel, der vom Hardwallgletscher herüber strich. Nur die Türme, einer nach dem anderen, stachen aus diesem Dunst hell und golden hervor. Raalan ließ ein letztes Mal seine Strahlen darüber gleiten, dann wurden die Türme grau, weil sich die Dämmerung von unten böswillig anschlich und das Licht verschlang. Jetzt lag Greiff im Dunkeln und in der Düsternis wurden die Fackeln in den Straßen und den Häusern sichtbar. Ein schmuckes, dichtes Gespinst aus wärmenden Lichtern.

Aber nicht für mich.

»Mein Herr, wir sollten uns beeilen.« Joti war an meine Seite geritten und beugte sich herüber. »Die Dämmerung ist da, wenn wir uns sputen, bekommen wir noch etwas Warmes zu essen. Die Feier hat sicher noch nicht begonnen.«

Ich sah zu ihm hinüber und konnte ihn im Grunde verstehen. Seit zwei Tagen waren wir unterwegs vom Fuße des Gletschers. Ein Ritt von hundert Tausendschritt, den wir in etwas mehr als eineinhalb Tagen mit einem flotten Trab hätten hinter uns bringen können. Wenn wir nicht die Pferde bei uns gehabt hätten. Allein der Abstieg aus den Klüften der riesigen Eiszunge hatte mich einen halben Tag gekostet.

Die Hufe der Pferde klangen hell auf dem Kopfsteinpflaster. Niemand kam uns entgegen, niemand scherte sich darum, dass wir heimkehrten. Nein, der freudige Empfang hatte schon vor zwei Tagen stattgefunden. Als die neu erwählten Greifreiter mit ihren Gefährten heimgekehrt waren. Und heute Abend war das Fest der Erwählten. Auch deshalb waren die Straßen und Gassen von Greiff wie ausgestorben.

Nach und nach trennten sich die Männer mit ihren Pferden von der Herde und verschwanden in den verzweigten Straßen, in deren Richtung die Häuser ihrer Herren lagen. Sie nickten, Joti schlug mir sogar aufmunternd auf die Schulter. Ich zuckte zusammen, verbarg meinen Schmerz jedoch.

»Keine Angst, mein Herr Josha, Ihr werdet Euren Greifen noch finden. Da bin ich ganz sicher.«

»Ja, ganz bestimmt«, antwortete ich munterer, als mir zumute war. Ich ruckte mit meiner Schulter, aber der Schmerz setzte sich fort und ließ sich nicht vertreiben.

Ich ritt alleine weiter und als ich das Tor zur Burg erreichte, sah ich sie.

Kriia.

Sie stand mit Liev an der Hand am Eingang des Stalles. Ihre Gestalt wurde von den Laternen hinter ihr beleuchtet, so konnte ich ihr Gesicht nicht sehen. Aber ich wusste, ja fühlte es bis zu mir heraus, dass sie lächelte. Warm und von einem herzlichen Willkommen. Kriia und Liev. Sie waren der Grund, warum ich überhaupt nach Greiff zurückkehrte. Meine Gefährtin und mein Sohn. Und das Kind, das in Kriia heranwuchs. Im Schein der Laterne konnte ich erkennen, dass sie noch immer einen Bauch vor sich hertrug. Meine Befürchtung, dass sie in der Zeit, in der ich nicht da war, das Kind entbinden würde, war unbegründet gewesen. Ich seufzte erleichtert und winkte. Kriia nahm Liev auf den Arm und winkte zurück. Das sonderbar weiße Haar meines Sohnes fing das wenige Licht der Laternen auf. Er krähte freudig. Ein Geräusch, das mein Herz tief erwärmte, ich lächelte trotz allem.

Kriia war meine Frau, allerdings ohne eine offizielle Bindung. Als Schneegeborener war es mir nicht gestattet, mich mit einer Frau zu verbinden.

Der Schneegeborene gehört dem Ersten aller Greifen.

Der Anführer der Greifreiter war nur mit seinem Greifen verbunden. Eins – auf ewig, und darüber hinaus. Trotzdem wünschte ich es mir von Herzen, ja, es kostete mich viele schlaflose Nächte, weil ich Kriia nicht die Ehre und Würde angedeihen lassen konnte, die sie verdient hatte. Gerade, weil sie an meiner Seite blieb. Mir sogar Kinder schenkte, die mir nur dann auf den Thron des Hauses Haar folgen durften, wenn mein Greif – wer auch immer es sein sollte – dem zustimmte. Aber solange ich nicht auf dem Rücken eines Greifen heimkehrte, jubelnd, konnte ich das Gesetz nicht ändern.

Ritha war in diesem Punkt unerbittlich. Ritha vom Hohen Hause Haar. Vorstand des Hauses und eine verbitterte Frau.

Hinter Kriia ragte Silas wie ein Fels in die Höhe und Breite. Sein großer Schatten verdeckte teilweise Kriia und meinen Jungen. Ich sah, dass er sich kurz nach vorne beugte und Kriia beobachtete, die Liev auf ihren anderen Arm nahm und mit ihm sprach. Silas nahm Mo, seine Katzenpuppe aus Leder hoch und, nach einem weiteren prüfenden Blick über Kriias Schulter, setzte er Mo genau so auf seinen Arm, wie Kriia es mit Liev tat. Dann winkte er und lachte bärig. »Josha! Sieh nur Mo, Josha ist zurück.«

Ich sprang aus dem Sattel und übergab die Pferde mit einem Nicken an einen der Stallburschen. Ein, zwei eilige Schritte. Dann nahm ich Kriia in den Arm, umschlang alle beide, und zum ersten Mal, seit Gryyphiorr mich entlassen hatte, konnte ich tief Atem schöpfen. Befreit. Ich war zu Hause bei meiner Frau, bei meinem Kind. Alles konnte gut werden.

»Mein Liebster, oh mein Liebster!« Kriias Stimme war brüchig. Sie lachte und weinte zugleich und ich nahm ihr Gesicht in meine Hände, wischte ihre Tränen weg. Dann küsste ich sie, sanft, weich. Sie lächelte unter Tränen. Liev, dem das eindeutig zu lang ging, grapschte nach meinem Ärmel und ich nahm ihn auf den Arm.

»Mein Großer, geht es dir gut?« Vor unserer Abreise hatte sich Liev die Knie aufgeschlagen, als er die vielen Treppen des Krallenturms hinaufgerannt war, weil er sehen wollte, wie die Greifen vom Hardwallgletscher einher schwebten. Der Ruf der ungebundenen Greifen hatte tagelang die Luft um die Türme erzittern lassen.

»Schnee, mach Schnee!«, verlangte mein Sohn und daher schnippte ich mit den Fingern und wischte mit der Hand durch die Luft.

Schneekristalle. Ich rief sie, leicht, wundervoll. Sie schillerten im gelben Licht der Laternen und schwebten sanft zu Boden. Liev kicherte und streckte seine kleinen Händchen danach aus. Er versuchte sogar, eine der Schneeflocken mit der Zunge zu fangen und als er erfolglos blieb, zauberte ich erneut welche – nur für ihn. Meinen Sohn.

 

»Bei allen Göttern, Josha, das muss aufhören!«

Kriia stand hinter mir, als ich mir mein Hemd in unserem Gemach auszog. Ich konnte sie keuchen hören, dann spürte ich ihre warme Hand auf meinem Rücken. Trotz der liebevollen Geste zuckte ich vor Schmerz zusammen.

»Wann endlich hört das auf?« Kriias Stimme wurde leise, wie immer, wenn sie entsetzt war.

»Dieses Mal hat er wohl übertrieben, was?«, versuchte ich einen Scherz, um sie zu beruhigen, aber es gelang mir nicht. Als ich das Hemd wegwarf, zogen sich die eiskalten Striemen auseinander und ich konnte ein Stöhnen nicht unterdrücken.

Gryyphiorr. Er hatte vor fünf Wintern begonnen, mich zu zeichnen, als wir im verwüsteten Lager bei Windweiden voreinander standen. Seine Kralle, eisig und heiß zugleich, zog er mir über die Stirn und ernannte mich damit zum nächsten Schneegeborenen. Dann, ich war mir dessen ganz sicher, hatte er sich eilig und überrascht zurückgezogen. Etwas hatte ihn erschreckt, als er mich berührt hatte.

Am Hof von Rouven Hardlicht hatte ich einmal einen Mann aus Ashot gesehen, der sich Tinte unter die Haut getrieben hatte. Er war gezeichnet damit – für den Rest seines Lebens. So, wie die Tinte unter dessen Haut sichtbar war, so zog Gryyphiorrs Eis unter meiner Haut Spuren. Spiralförmig an meinen Seiten, verzweigt wie weiches Efeu, ringelnd, bis hinauf auf meine Schultern. Der Umriss einer Mähne aus Haaren und Federn lag auf meinen Schultern. Federn waren das herrschende Element. Zwei davon kreuzten sich direkt über meinem Brustbein. Eisblumen, deren Blüten und Stiele voller Stacheln waren, lagen auf meinem Bauch. Bis hinab an meine Lenden reichten die eisigen Zeichen, manche nicht zu lesen – jedenfalls nicht von mir oder von Kriia. Andere wieder eindeutig: als Krallen oder als das Stoßeis vom Schwanzende eines Greifen zu erkennen, wie auf meinen Oberschenkeln. Und ein Schwall des eisigen Atems zierte meinen Rücken, wenn ich Kriia Glauben schenken konnte. Auch hier unzählige Federn, als ob Gryyphiorr mir Flügel aufgemalt hätte.

Die Risse in meiner Haut würden heilen, aber das Eis blieb.

Ich zischte, als Kriia mir ein warmes Tuch auflegte, das sie vor dem Kamin in unserem Gemach erwärmt hatte. Die Lehne des Stuhles vor mir knarrte, weil ich so fest zupackte.

»Verfl …«

»Ich hole den Heiler, Josha! Egal, was du sagst.« Kriia machte sich auf den Weg zur Tür. Etwas behäbig, weil der Bauch sie behinderte. Um allein zu sein, hatte sie die Magd weggeschickt, als wir heraufgekommen waren. Niemand außer Siljan und seinem Bruder Silas wusste, was Gryyphiorr mir jeden Herbst antat, und das sollte auch so bleiben.

»Nein, bitte, Kriia, bleib!« Ich streckte eine Hand nach ihr aus und sie zögerte. »Du weißt, dass das Sonhartoon nicht zu mir durchdringen kann.« Ich richtete mich auf. »Bitte, mein Schäfchen, nicht. Es wird nur Gerede geben.« Ich muss jämmerlich ausgesehen haben, denn Kriia machte kehrt und ergriff meine ausgestreckte Hand. »Mein Hardtoon wird das richten, glaub mir. So wie jeden Winter.« Ich zog Kriia an mich und vergrub mein Gesicht in ihrem Haar. Sie roch so wunderbar warm. Das Schaffell, das sie als Überwurf über ihrem Kleid trug, verströmte einen herben, trockenen Geruch. Darunter lag Kriias eigener, den ich tief in mich hineinsog. Ja, jetzt war es besser.

»Ritha wird …«, begann Kriia, wurde aber vom Öffnen der Tür unterbrochen. Ich drehte mich eiligst zur Seite, griff nach meinem Hemd, schlüpfte hastig hinein und wandt mich um.

 Gustav, der Haushofmeister, stand in der Tür. Seine dürre Gestalt strahlte gehässige Selbstgefälligkeit aus. Er hatte nicht einmal geklopft, sondern war einfach eingetreten. Ich trat nach vorne und funkelte ihn an. Er hingegen erwiderte mein Starren mit herablassender Arroganz. Dieser Kerl war anmaßend und lästig wie eine verwanzte Krähe.

»Was willst du?«, fragte ich ungehalten und spielte meine Größe als Gesegneter aus. Ich verschränkte die Arme und stellte mich betont vor Kriia. Ihre Hand auf meinem Kreuz war segensreich.

An Gustav perlte mein Gebaren wie Wasser ab. Sein Blick flitzte durch unser Gemach und allein dafür hätte ihm eine aufs Maul gehört. Dann erst erwiderte er meinen Blick, mir bewusst machend, dass er mir erst nach der Musterung unseres Zimmers seine Aufmerksamkeit schenkte.

»Meine Herrin, Ritha vom Hause Haar, wünscht, Euch umgehend zu sehen.« Er neigte nicht einmal den Kopf, sondern trat einen Schritt zurück. Mit einer wedelnden Hand bedeutete er mir, dass ich ihm folgen sollte. »Sogleich, wenn ich bitten darf. Man lässt die Herrin nicht warten.« Seine Stimme war trocken wie ein Holzscheit.

»Ich komme, wenn ich angekleidet bin.«

»Bitte, wie Ihr wünscht.« Gustav stellte sich demonstrativ hin, die Tür noch immer offen, Ärger und Hohn im Blick.

Dieser unverschämte Sack. Verwundert horchte ich in mich hinein. Es war nicht meine Art, so zu denken, aber alles an mir war wund, und das Eis brachte sich bei jeder Bewegung in Erinnerung. Selbst Kriias Hand in meinem Rücken tat weh. Es war, als würde ich erfrieren, steif werden, und bei einer unbedachten Bewegung zersplittern.

Mein Hardtoon war anders. Auch wenn viele glaubten, dass ich die Kälte meines Weiß spüren musste, so war es nicht. Mein Weiß war mein, das Eis ein Teil von mir. Untrennbar, von warmer und erfüllender Pracht, auch wenn ich sie lange verleugnet hatte. Damals, vor fünf Wintern auf dem Feldzug gegen die Baleer, war mir klar geworden, dass einiges in Hardland geschah, weil es Gesegnete gab. Deswegen hatte ich meine Segnung verneint. Ich wollte kein Gesegneter mehr sein. Aber wer fragte schon danach, was ich wollte? So nahm ich sie hin, sie war da. Ich nutzte sie, um für Liev kleine Kunststücke zu zaubern, oder wenn ich wütend wurde und ich keine Gewalt über mein Weiß hatte. Dann umschwirrte es mich aufgebracht. Eine Hardwehr hatte ich seit einer Ewigkeit nicht mehr geschaffen. Eine meiner Letzten hatte das Unheil nicht aufhalten können, das meinen Freund Kaaleb getroffen hatte. Was ich trotzdem an meiner Magie mochte, was das Schönste daran war: Ich konnte es fühlen. Alles, was das von mir erschaffende Eis berührte, berührte mich. Ich fühlte jeden Kristall, jede federleichte Berührung, die an mir – uns – vorbeistrich. So auch die warmen Wangen meines Sohnes, wenn er versuchte, den Schnee zu fangen. Und das versöhnte mich.

Josha Schneelicht. Auserwählter. Schneegeborener.

Geschmähter und Gedemütigter. Der sich mit einer Frau eingelassen hatte, die hier nur geduldet wurde, da sie die Tochter eines Schäfers war.

»Ich sagte, ich komme. Du kannst draußen warten, du elender Kriecher!«

Einen kurzen Augenblick flackerten Gustavs Augen, weil er solche Worte aus meiner Richtung nicht gewohnt war. Mit verschlossener Miene ging er hinaus, die Tür immer noch nur angelehnt.

»Ich bin bald zurück, Schäfchen.« Ich küsste Kriia kurz. »Bitte wärme die Decken noch mal für mich, sei so gut.«

Kriia nickte. »Sicher werde ich das.« Sie sah mir nach, als ich das Wams ergriff und mir überzog.

Als ich vor die Tür trat, hatte sich Gustav bereits einige Schritte entfernt. Es kann dir wohl nicht schnell genug gehen, dachte ich schnaubend. Du mieser Bastard.

Ich musste ein Geräusch gemacht haben, denn Gustav drehte sich ungehalten um.

»Wir sollten uns eilen. Die Feier der Neuerwählten steht an. Meine Herrin ist mehr als glücklich, dass Loris erwählt wurde. Und welch Freude, sogar sein Bruder Lorenz ist auf einem Greifen nach Hause gekommen.«

»Sicher, das ist ja auch eine Ehre, dass dieser schmierige Loris und sein schmächtiger Bruder ausgesucht wurden, nicht wahr?«, knurrte ich zur Antwort.

Loris und Lorenz waren entfernte Neffen Rithas und somit die Cousins ihres Sohnes Rithon. Rithon, der einen elenden Tod erlitten hatte, als er sich Gryyphiorr als Erwählter hatte aufdrängen wollen. Gryyphiorr hatte schon gewählt – mich – und Rithon hatte die Entscheidung nicht anerkannt und seine Bestimmung erzwingen wollen.

Loris war drei Jahre älter als ich, der ich fünfzehn Winter zählte, aber schon ein Mann war, weil ich das Weiß trug. Die Zugehörigkeit zum Hause Haar hatte Loris vorangebracht, er war unter Rithas Wohlwollen zu einem der bevorzugten Streiter geworden. Kein herausragender Streiter, nein, ein großspuriger Möchtegern, der vor zwei Tagen tatsächlich von einem Greifen bestimmt worden war. Es war ein wundervoller Greif, das musste ich widerwillig anerkennen. Ein kräftiger Leib, die Schwingen eine Pracht aus dunkelgrauen, glänzenden Federn. Die direkten Nachkommen von Gryyphiorr waren grau, nicht braun. Hier lag der Unterschied zwischen einem Greifen, der unter normalen Umständen geboren wurde, und dem, der ein Spross von Gryyphiorr war.

Was es bedeutete, dass Loris als Reiter heimgekehrt war, war mir schon auf dem Weg hierher klar geworden. Ritha hatte es bereits angedeutet, aber als ich hinter Gustav herging, verstand ich plötzlich die unangebrachte Eile.

Ritha würde Loris zum Erben des Hauses ernennen. Greifreiter, Streiter – und die enge Verwandtschaft zum Hohen Haus. Wenn daran jemand zweifeln sollte, war das glorreiche Bündnis mit einem direkten Nachkommen von Gryyphiorr der letzte Beweis, dass dies seine Richtigkeit hatte.

Gryyphiorr hatte sich in den letzten fünf Wintern nur dann gezeigt, wenn wir dem Ruf der Ungebundenen folgten und hinaufkletterten zum Feld der Wahl. Dort oben, oberhalb der Eisharfen, klammerten sich die Nester der Greifen an das alte Eis des Gletschers. Ansonsten blieb der Stammvater verschwunden, wie in alten Zeiten. Deshalb konnte ich nicht damit rechnen, dass er Einspruch gegen Rithas Entscheidung erheben würde.

Wenn ich ehrlich sein wollte, war mir das gerade recht. Dann könnten meine Familie und ich zu Kriias Vater zurückkehren, wo wir allzeit willkommen waren.

»Mein Herr, ich möchte es nicht noch einmal sagen«, tadelte Gustav mit überheblichem Ton. Er sah über seine Schulter zurück, verzog den Mund und schnalzte missbilligend.

Da brannte es bei mir durch.

Ich machte einen Satz nach vorne, packte Gustav an den Schultern und drosch ihn gegen die Wand. Dann klemmte ich ihm meinen Unterarm unter den Kiefer und drückte ihm die Kehle ab. Er japste nach Luft, starrte mich mit geweiteten Augen an. Damit hatte er nicht gerechnet. Ich war als sanftmütig bekannt, friedfertig.

Was war nur los mit mir?

»Wenn ich dir sage, dass ich komme, dann erwarte ich, dass du das hinnimmst. Kein Wenn, kein Aber, kein ungeduldiges Herumtanzen!« Ich brachte mein Gesicht nah an seines heran. Mein Weiß flirrte um uns herum wie aufgebrachte Fliegen. Ich verstärkte den Druck meines Armes. Seine Hände versuchten vergeblich, mich zu packen. Aber er war nur ein dürrer alter eingebildeter Mann, er konnte mir nichts anhaben. »Und noch eines: Wenn du noch einmal in unser Gemach kommst, ohne vorher anzuklopfen, werde ich deinen Kopf so lange an die Tür schlagen, bis du es begriffen hast. Verstanden!« Ich schüttelte ihn. »Ich will wissen, ob du verstanden hast, beim Alten Greifen!«

Gustav sah mich mit seinen wässrigen Augen vernichtend an. Seine Pupillen waren geweitet. Er schwieg verstockt.

»Ob du verstanden hast. Ich will es hören!«

»Mein Herr …« Gustav zappelte herum.

»Genau. So wirst du mich ansprechen! Und mein Weib Kriia wirst du mit Herrin ansprechen, damit das klar ist! Sie wird geehrt werden, wie es ihrer Stellung entspricht. Du wirst dafür sorgen, Gustav, oder bei allen Göttern, ich werde dich zur Rechenschaft ziehen!«

Damit ließ ich ihn los und trat verächtlich einen Schritt zurück.

Gustav fiel in sich zusammen, seine Hand fuhr an seine geschundene Kehle, er sah mich von unten herauf an. Verwundert, überrascht, aber noch immer arrogant.

Das werde ich dir noch austreiben, du mieser Heuchler, durchfuhr mich der Gedanke.

»Steh auf und melde mich der Herrin Ritha. Sag ihr Josha Schneelicht, ist zurückgekehrt.«

Da Gustav sich nicht rührte, holte ich ihn auf die Füße, strich seine Kleidung glatt und drehte ihn um. »Geh, tu, was deine Pflicht ist!«

Er stolperte davon.

 

 Die Große Halle von Haar.

Die Kamine an den Seiten brannten, unzählige Kerzen waren entzündet, allein die Leuchter an den Decken strahlten, als ob helllichter Tag herrschte. Es war mächtig aufgetischt worden, wie immer beim Fest der Neuerwählten. Der Duft von Hirschbraten und frischem Brot drang mir schon im Flur vor der Halle in die Nase. Mein Magen knurrte, ich hatte noch nichts gegessen.

Am Kopfende der Halle waren rechts und links von Rithas Herrscherstuhl Tafeln aufgebaut. Daran saßen auf einer Seite die neu erwählten Greifreiter – acht an der Zahl – und zu meinem Erstaunen auf der anderen Seite Gäste, die aus Ashot sein mussten. Ein kahler Kerl, der einen gelben Bart wie ein wucherndes Gestrüpp im Gesicht hatte. Diesen Mann kannte ich: Dort saß der Mann, der die Tinte unter der Haut trug. Die Frau neben ihm lachte schrill, der weitere Mann aus Ashot war, ich musste nachdenken … der Gesandte, der dauerhaft am Hofe von Rouven Hardlicht weilte. Karl, sein Name war Karl.

Ich hatte nicht gewusst, dass Ritha Gäste aus Ashot hatte. Die Tatsache, dass hier der gezeichnete Mann saß, brachte mir die vom Greifen gemalten Risse wieder ins Gedächtnis. Ich ruckte mit den Schultern und hoffte, bald wieder von hier verschwinden zu können. Das höfische Leben und alles, was damit einherging, war mir zuwider.

»Nun, mein Junge«, begann Ritha, als ich vor ihr meine Aufwartung machte. »Wie ich höre, bist du erneut nur auf einem Gaul heimgekehrt.«

Ihren Worten folgte ein belustigtes Raunen. Natürlich, die Hofschranzen. Sie würden selbst dann lachen, wenn Ritha ihnen befahl, sich gegenseitig an die Kehle zu fahren.

Ritha trank einen Schluck aus ihrem Becher, der nicht aus Ton, sondern aus Eiskristall war. Ein Geschenk meinerseits. Ich spürte die Wärme ihrer Lippen auf meinem Eis und schauderte.

Ich schwieg, hob den Kopf und sah Ritha direkt in die gelben Augen. Sie war nach dem Tod ihres Sohnes schnell gealtert. Ihr Haar war durchzogen von hellen Strähnen, die täglich mehr zu werden schienen. Aber es war nicht das Haar, das Ritha so verändert aussehen ließ. Nein, rechts und links von Rithas Mund hatten sich zwei tiefe Falten gegraben, die ihr Gesicht hart und gleichzeitig verhärmt aussehen ließen. Die Augen waren schattig geworden, dunkle Ringe lagen darunter. Ein Umstand, der sich auf den vielen Wein zurückführen ließ, den Ritha morgens schon trank. Ritha war innerlich zu Stein erstarrt, als Rithon gestorben war.

»Du hast mir nichts zu sagen, mein Junge?« Ritha sah sich um und dabei fiel ihr Blick auf Loris, der zwei Stühle weiter neben ihrem saß. Sein Bruder Lorenz direkt daneben. Bis vor drei Tagen war Lorenz noch mein Freund gewesen, aber dann wurde er von einem Greifen erwählt und mied unangenehm berührt meinen Blick.

Die drei wechselten einen Blick.

Jetzt kommt es, dachte ich. Jetzt ist es soweit.

»Dann werde ich dir etwas sagen.« Ritha erhob sich, wankte, fing sich aber schnell, weil sie sich an der Tischkante festhielt. Ein herrischer Blick in die Runde. »Ich bedauere es zutiefst, das musst du mir glauben.« Ein weingetränkter Blick zu mir, der ihr Bedauern unterlegen sollte. »Aber ich sehne mich danach, die Verantwortung als Vorstand meines Hauses auf jüngere Schultern abzugeben. Und da Loris erwählt wurde, werde ich daraus meinen Vorteil ziehen.« Ritha lehnte sich nach vorne und streckte gleichzeitig die Hand aus. Es musste abgesprochen sein, denn Loris erhob sich augenblicklich und ergriff Rithas Hand. Er kniete nieder und konnte dabei sein höhnisches Grinsen nicht verbergen.

Dieser elende … »Das steht in Eurem Ermessen, meine Herrin …« Meine Stimme war fester, als ich mich fühlte. Ich rief mein Weiß, es umschwebte mich mit eleganter Schönheit.

Jetzt war es einfach notwendig, es stärkte meine Position.

Einige der Anwesenden holten erstaunt Luft, der gezeichnete Fremde machte das Zeichen gegen den bösen Blick. Da konnte ich nur lächeln.

»Aber seid gewiss, Ritha, Herrin des Hauses Haar, dass Ihr mir damit kein Unbill verursacht. Es ist allerdings so, dass ich schon vor fünf Wintern von Gryyphiorr ausgewählt wurde.« Ich zog an meinem Wams, dem Hemd. »Daher werdet Ihr verstehen, dass ich Loris seinen Anspruch abspreche.«

Was reitet mich hier gerade?, fragte ich mich. Noch vor wenigen Augenblicken hatte ich mir ausgemalt, wie es sein würde, den Hof zu verlassen und ein friedliches Leben mit Kriia bei Kiirans Schafherden zu führen. Und jetzt stand ich im Begriff, das alles wegzuwerfen.

»Aber du bist immer noch kein Reiter!« Loris erhob sich. »Ich dagegen schon. Und Lorenz auch – und er ist einen Winter jünger als du!« Er lachte höhnisch. »Hast du ihn gesehen, meinen Greifen? Von einer ausgesuchten Pracht, ganz wie es einem Herrscher geziemt. Sein Name ist Ylak.« Er lehnte sich nach vorne und stütze seine Fäuste auf den Tisch. »Also sieh zu, dass du hier wegkommst. Du und dieses Schäfermädchen!«

Meine Hand zuckte zu meinem Dolch, was keinem verborgen blieb. Das Eis drückte mir die Kehle zu.

Ritha legte Loris eine Hand auf die Schulter, ganz die besorgte Herrin. »Sachte, Loris, wir sollten noch immer entgegenkommend sein. Schließlich ist dieser junge Mann ein Gesegneter.« Der offene Hohn schmerzte, aber ich verzog keine Miene. Mit der anderen Hand griff Ritha wieder nach dem Kristallbecher, ließ ihn sich erneut füllen und hob ihn dann hoch.

»Bei allem, was wir über die Einigkeit mit einem Greifen wissen: Gryyphiorr ist alt. Er kann sich nur geirrt haben, mein Gesegneter. Da nützt es nichts, wenn du hier mit deiner Magie prahlst.« Sie hielt kurz inne, vergewisserte sich der Aufmerksamkeit aller. Vor allem die ihrer ausländischen Gäste. Der Gesandte – Karl – nickte, Willem fuhr sich mit einem Tuch über seinen haarlosen Kopf.

»Hiermit ernenne ich Loris vom Kleinen Hause Eiswind zum Erben des Hohen Hauses Haar.«

Sie trank und reichte Loris ihren schönen Becher. Seine Finger waren kalt und ich spürte, wie krallig er nach dem Kristall griff, wie gierig. Er trank und gab Ritha das Gefäß mit großer Geste zurück.

Da tat ich es.

Ich machte es nicht schnell oder überhastet. Nein, langsam, bedacht zog ich mir das Wams über den Kopf, dann das Hemd. Beides ließ ich zu Boden gleiten. Es glich einer Befreiung, ich konnte tiefer atmen. Der Schmerz, der mich den ganzen Weg über begleitet hatte, war plötzlich nur noch ein entfernter Schatten.

 Mit leicht erhobenen Armen trat ich vor, den Kopf gesenkt. Mein bloßer Oberkörper, meine Brust, der starke Rücken, meine kräftigen Arme: Die Ranken aus Eis, die an meinem Hals hinaufragten, alles schimmerte und leuchtete, weil die Zeichnungen von Gryyphiorr das helle Licht der Kerzen und der Feuer aufnahmen, anzogen und zurückwarfen.

Ein atemloses Raunen ging durch die Reihen.

Ruhig hob ich meinen weißen Blick, gewiss, dass ich hier das einzig Richtige tat.

Ich drehte mich um meine eigene Achse. »Ich bin der Schneegeborene.« Ich sah Ritha in die Augen. »Und der wahre Erbe des Hauses, das die Greifen hütet und bewahrt.«

Damit drehte ich mich um, pflückte meine Kleider vom Boden und zog sie mir im Hinausgehen wieder an.

Als ich die Tür passierte, sah ich zurück. Loris starrte mit offenem Mund. Lorenz saß da wie geschlagen. Der Gesandte hatte sich erhoben und redete aufgeregt auf Ritha ein. Der gelbbärtige Mann sah mich direkt an. Furchtsam, als ob er gleich sterben müsste. Seine Hände kneteten die Tintenzeichnungen an seinen Handgelenken. Ritha wehrte das hastige Gerede des Gesandten mit wedelnder Hand ab und starrte über die Distanz hinweg in meine weißen Augen. Ihre andere Hand lag noch immer um mein Geschenk.

Da nahm ich es zurück. Dieses Geschenk. Mein Weiß.

Der Becher zerfiel, löste sich auf und der Wein klatschte auf den Tisch.

Josha Schneelicht war gekommen.